CALL FOR PARTICIPANTS 

 

Das Tanzsolo als eigenständiges künstlerisches Format und kulturelle, kritische Praxis.”

 

Hg. Rainald Endraß/ CocoonDance

 

Das Internationale Bonner Tanzsolo-Festival wird im biennalen Rhythmus seit 2007 in der Trägerschaft des freien Theaters im Ballsaal/ CocoonDance (seit 2011 gemeinsam mit der Bonner Brotfabrik und in diesem Jahr mit dem Theater Bonn) organisiert. Das Festival präsentiert seit vierzehn Jahren eine sorgfältig getroffene Auswahl aktueller zeitgenössischer nationaler wie internationaler Solo-Arbeiten (darunter auch Uraufführungen, Auftragsarbeiten und Koproduktionen) und stellt damit deutschlandweit das einzige Festival dar, das sich - im „internationalen Kontext“ - kuratiert dem Format des Tanzsolos widmet.

 

Ein künftiges Anliegen des Festivals ist es, das Format Solo nicht nur in zahlreichen Aufführungen (in diesem Jahr u.a. von Radhouane El Meddeb, Raimund Hoghe, Ruth Childs, Anna Konjetzky,  Thiago Granato und James Batchelor)  zu präsentieren, sondern es auch in Gesprächen, Diskussionen und Workshops erfahrbar zu machen. Hierzu wird es am ersten Wochenende der diesjährigen, siebten Ausgabe zum ersten Mal einen wissenschaft-lichen Programmbaustein geben, der sich in erster Linie an ein Fachpublikum richtet, aber durchaus auch eine interessierte Öffentlichkeit ansprechen soll. (Direkt im Anschluss daran sowie an den drei folgenden Tagen findet ein Lab mit dem Tänzer und Choreographen Thiago Granato und  Student_innen des Zentrums für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) Köln statt.)

 

Die wissenschaftliche Erweiterung durch ein Symposium schlägt einen Perspektiven-wechsel vor, weg vom "Produkt Solo", hin zu einem tieferen Verständnis für den  Kreations- und Produktionsprozess desselben. Geplant ist ein Symposium das Fragen nachgeht, wie etwa nach der historischen Entwicklung und Veränderung der Form Tanzsolo. Untersucht werden sollte auch die Relevanz von Soloarbeiten im Kontext künstlerischer Produktion. Welchen Wert für die choreographische Praxis kann die Entwicklung eigener Soloarbeiten entfalten?

 

Für die Moderation der Veranstaltung und einen Impulsvortrag  hat Professor Yvonne Hardt ( Studiengang Tanzvermittlung am Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln) zugesagt. 

 

Weitere Referenten und Teilnehmer,  sowie Beiträge aus der Forschung auch von Wissenschaftler*innen und Künstlern, die nicht in Bonn werden dabei sein können,

sind zu diesem Thema willkommen.

 

 

Symposium: Sonntag, 24.10., 11:00 - 15:00 Uhr Kunstmuseum Bonn. Auditorium 

Einsendeschluss für Bewerbungen um Teilnahme und für Beiträge: 15. September 2020     

an: Rainald Endraß: dramaturgie(at)cocoondance.de                                                                                 

Themenvorschläge und Thesen der Kuratoren

 

Tanzsoli als kleinste tänzerisch-choreographische Formen verdienen aus verschiedenen Gründen besondere Beachtung: Sie sind Mittel zur Selbstpositionierung und -definition, erlauben größtmögliche Fokussierung sowie veritablen Raum für Experimente. Ein Tanzsolo bietet Intimität und generiert höchste Konzentration zwischen Zuschauer und Performer, ermöglicht Einblicke in choreographisches Schaffen aus nächster Nähe. Wie kein anderes Genre thematisiert der Solotanz das Individuum konsequent und unmittelbar, wobei das Spektrum von „Individuum“ äußerst weit gefasst ist; es reicht vom sozialen oder psychologischen Einzelwesen, bis hin zur skulpturalen Qualität von Körper, was je nach Positionierung eher theatrale, oder rein tänzerische oder bildkünstlerische Aspekte in den Vordergrund treten lässt. Somit ist das Solo weit mehr als nur eine „ökonomische“ Form choreographischen Schaffens. „So einfach das Tanzsolo in seinem Aufwand erscheint: Zugespitzt kann man das Tanzsolo als die sogar komplexeste und konsequenteste Position der Moderne beschreiben. Denn die Entstehung und auch der weitere Erfolg des modernen Tanzes ist bis heute geprägt durch das Solo. Alle wichtigen Umbruchsituationen des 20. Jahrhunderts finden in ihm ihre wegweisende Gestaltung.“ Johannes Odenthal: Tanz – Subjekt – Ritual. Drei Thesen zum Solo, in: Ders.  Tanz, Körper, Politik. Texte zur zeitgenössischen Tanzgeschichte. Berlin, Theater der Zeit 2005)

 

In der Tradition des westlichen Bühnentanzes entfaltet das Solo einen besonderen Schauplatz: als Akt der Repräsentation, als Zur-Schaustellung virtuosen Könnens und als "große Szene" der Selbstdarstellung des Subjekts. Gewissermaßen lässt sich das Solo als der Nukleus des Zeitgenössischen Tanzes verstehen. Aus der Ablehnung standardisierten klassischen Balletts entwickelte sich der Kunsttanz zu einer ‚freien’ Ausdrucksform. Er löste sich von den normierten Posen und vertrat einen fließenden Stil als Ausdruck einer freieren Lebens- und Körperauffassung. Mit Beginn der Moderne ist es gerade das Solo, das zum genuinen Medium der Produktion und Performance (vor allem weiblicher Autorschaft) wird. Die Idee des Ausdruckstanzes ist zum größten Teil innovativen Tänzerinnen, d.h. individuellen Persönlichkeiten wie bspw. Gret Palucca, Ruth St. Denis, Mary Wigman, Isadora Duncan und Loïe Fuller zu verdanken, die sich eigene Stile erarbeiteten. Tanz wurde als die „primäre“ Äußerung von Individualität verstanden.

 

Seit den Zeiten des Ausdruckstanzes hat die „Königsdisziplin“ Solotanz immer wieder stilprägend auf die Entwicklung des modernen Tanzes in Deutschland gewirkt. Auch die neue Generation, die ab den sechziger Jahren nach neuen Ausdrucksformen suchte, formulierte sich häufig zunächst in Soloarbeiten. Susanne Linke, Reinhild Hoffmann und Gerhard Bohner erregten durch Soloabende Aufsehen. Flexibel und meist ohne aufwendiges Bühnenbild gaben die Solisten ihre Vorstellungen nicht nur in großen Theatern, sondern auch in Salons, Museen, Konzert- und Podiumsbühnen und site specific-Räumen und sorgten so auch für eine weitere Verbreitung des Zeitgenössischen Tanzes.

 

In seinen Mitteln meist reduziert auf den Körper, in der Regel ohne aufwändiges Setup, zeigt     er Möglichkeiten körperlicher Ausdruckskraft in Reinform. Hier entsteht ein Möglichkeitsraum dessen, was Bewegung zu leisten vermag, werden Grenzen ausgelotet, grundlegende Fragen der Tanz- oder Performancekunst aufgeworfen.

 

Subjekt und Objekt zugleich, ist es zumeist ist ein Tänzerchoreograph, der in Personalunion von Zeigendem und Gezeigtem die eigene Biografie mit den Formen Licht, Raum, Dramaturgie, Bewegung und Gestik verbindet. Der Tänzerchoreograph ist und schafft gerade in seiner Doppelrolle Distanz bei zugleich intensiver Gegenwärtigkeit, einer Konzentration, die zugleich eine abwesende, eine andere Seite der Existenz aufschließt.          

 

 

Programm

 

Freitag, 23.10., 20 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn 

Compagnie Parc (FR) 

Janet on the Roof, Deutsche Erstaufführung 

 

Samstag, 24.10., 19 Uhr / Theater im Ballsaal  

Radhouane El Meddeb / La Compagnie de SOI (FR/TUN) 

À mon père, une dernière danse et un premier baiser 

 

Samstag, 24.10., 21 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn 

Marija Baranauskaité (LT) 

The Sofa Project (2018), Deutsche Erstaufführung 

 

Sonntag, 24.10., 11:00 - 15:00 Uhr Kunstmuseum Bonn. Auditorium 

Symposium 

 

Sonntag, 25.10., 16 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn 

Anna Konjetzky (DE) 

MOVE MORE MORPH IT! (2018) 

 

Sonntag, 25.10., 17 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn, Hof

Quim Bigas Bassart (ES) 

Molar (2015) 

 

Sonntag, 25.10., 20 Uhr / Schauspielhaus Bonn

Raimund Hoghe (DE) 

Lettere amorose, 1999 – 2020 

 

Dienstag, 27.10. / Theater im Ballsaal  

Präsentation Lab Thiago Granato 

 

Donnerstag, 29.10. / Theater im Ballsaal  

Thiago Granato (BR/D) 

Trrr (2018) 

 

Freitag, 30.10., 19 Uhr / Theater im Ballsaal  

James Batchelor (AUS) 

Hyperspace (2018) 

 

Freitag, 30.10., 21 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn 

Jozsef Trefeli (CH) /Rudi van der Merwe (ZAF/CH) 

Genetrix (2019), Premiere  

 

Samstag, 31.10., 20 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn 

Helena Arenbergerová (CZ) 

Generation X (2019), Deutsche Erstaufführung

 

Sonntag, 1.11., 18 Uhr / Brotfabrik Bühne Bonn 

Junge Choreographen - (zum Teil Premieren) 

 

Sonntag, 1.11., 20 Uhr / Theater im Ballsaal  

Ruth Childs (GB/USA/CH) 

 

fantasia (2019), Deutsche Erstaufführung 

 

 

Gefördert durch: Kunststiftung NRW, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Mittelzentren-Förderung, Bundesstadt Bonn



… WORK IN PROGRESS …

 

Workshop 

 

… WORK IN PROGRESS …

 

NEWS

 

 

Programmübersicht

Fr, 23.10.2020, 20 Uhr 

Compagnie Parc  

JANET ON THE ROOF

Deutsche Erstaufführung 

Brotfabrik Bühne Bonn

Sa, 24.10.2020, 19 Uhr 

Radhouane El Meddeb / La Compagnie de SOI

À MON PÈRE, UNE DERNIERE DANSE ET UN PREMIER BAISE   

Theater im Ballsaal 

Sa, 24.10.2020, 21 Uhr 

Marija Baranauskaité 

THE SOFA PROJECT - DE 

Brotfabrik Bühne Bonn

So, 24.10.2020,

11-15 Uhr 

SYMPOSIUM

Kunstmuseum Bonn. Auditorium

So, 25.10.2020, 16 Uhr 

Anna Konjetzky  

MOVE MORE MORPH IT! 

Brotfabrik Bühne Bonn

So, 25.10.2020, 17 Uhr 

Quim Bigas Bassart  

MOLAR

Brotfabrik, Hof 

So, 25.10.2020, 20 Uhr 

Raimund Hoghe 

LETTERE AMOROSE,

1999 – 2020 

Schauspielhaus 

Di, 27.10.2020, 19 Uhr 

Präsentation Lab Thiago Granato/ ZZT

Theater im Ballsaal 

Do, 29.10.2020, 20 Uhr

Thiago Granato  

TRRR 

Theater im Ballsaal 

Fr, 30.10.2020, 19 Uhr 

James Batchelor  

HYPERSPACE  

Theater im Ballsaal 

Fr, 30.10.2020, 21 Uhr 

Jozsef Trefeli/Rudi van der Merwe  

GENETRIX - Premiere  

Brotfabrik Bühne Bonn

Sa, 31.10.2020, 20 Uhr 

Michal Záhora 

GENERATION X - DE

Brotfabrik Bühne Bonn

So, 01.11.2020, 18 Uhr 

JUNGE CHOREGRAPHEN - Premieren 

Brotfabrik Bühne Bonn

So, 01.11.2020, 20 Uhr 

Ruth Childs

FANTASIA - DE 

Theater im Ballsaal